Ungarn: Sozialisten schänden die Erinnerung an 1956 (2016.10.25.)

Wie der Jobbik-Abgeordnete János Szávay am 26. Oktober im Zuge einer vor dem Ungarischen Parlament am Budapester Kossuth-Platz abgehaltenen Pressekonferenz erklärte, sei die Erinnerung an die Helden von 1956 – damals, am 25. Oktober 1956 hatten Salven am Kossuth-Platz mehrere hunderte Menschen getötet*) – von den beiden ungarischen Parteien, die heute noch den Geist des 20. Jahrhunderts verkörpern, geschändet worden: von der regierenden FIDESZ dadurch, dass sie durch die Lügereien in ihren gelenkten Medien ganz im Stile des seinerzeitigen kommunistischen Führers Mátyás Rákosi agiere, und von der MSZP (Ungarische Sozialistische Partei) als würdiger Nachfolgerin der MSZMP (Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei = ehemalige Kommunistische Partei), indem sie sich von der Festsitzung des Parlaments, welche am Vortag, dem Erinnerungstag an das Massaker, stattfand, zurückgezogen und dadurch nicht nur die Erinnerung an 1956 entehrt, sondern auch die ebenfalls bei der Sitzung anwesenden polnischen und deutschen Würdenträger beleidigt habe. Auch die Tatsache, dass die MSZP vor kurzem den ehemaligen MSZMP-Sekretär János Barabás zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt habe, sei eine reine Verhöhnung des demokratischen Systemwechsels in Ungarn.

Die bolschewistische MSZP-Abgeordnete Szófia Havas hatte zuvor die Helden von 1956 sogar als faschistische Kriminelle und Mörder bezeichnet, eine Aussage, die zu seiner Schande auch vom russischen Staatsfernsehen übernommen wurde. Dies war nicht der erste Skandal um Havas, denn bereits im März 2008 hatte sie sich aus der Versammlung des Budapester Stadtrats zurückgezogen, als über die Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer von Katyn entschieden wurde, und im Juni 2008 stimmte sie mit „Nein“ dagegen, dass ein Platz in der Hauptstadt nach Péter Mansfeld, einem Märtyrer von 1956, benannt werden sollte.

Szávay forderte namens der Jobbik die MSZP auf, ihre Beziehung zu 1956 zu klären, Rechenschaft über ihre Vergangenheit abzulegen und, wenn sie nicht bereit ist, die ungarische Revolution von 1956 zu akzeptieren, zusammen mit ihren linken Schergen das ungarische politische Leben zu verlassen.

Szávay zeigte sich auch empört darüber, dass 26 Jahre nach dem Systemwechsel eine Sendung im Russischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, in der die Worte von Szófia Havas Widerhall fanden. Die Jobbik begrüße daher auch die Demarche des ungarischen Außenministeriums zur Einbestellung des russischen Botschafters. 

Szávay kündigte ferner an, dass die Jobbik gegen Szófia Havas eine Strafanzeige wegen Leugnung der Verbrechen des kommunistischen Regimes einbringen werde. (Anm.d.Red: Das ungarische Strafgesetzbuch sieht vor, dass mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden kann, wer „den vom nationalsozialistischen oder vom kommunistischen System begangenen Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, in Zweifel zieht oder in ihrer Bedeutung herabmindert“.)

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